Sitzung und Überblick
Der Runde Tisch Kostendämpfung im Gesundheitswesen, der im November 2024 von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eingesetzt wurde, tagte am 26. Oktober 2026 in Bern zum fünften Mal. Die Partner haben die Umsetzung von sechs neuen Massnahmen zur Kosteneinsparung in verschiedenen Bereichen beschlossen, die sich auch auf Vorschläge aus dem elektronischen Briefkasten stützen. Sie wurden zudem über den Stand der Umsetzung der im vergangenen Jahr verabschiedeten Massnahmen informiert.
Massnahmen mit stärker systemischem Charakter
Nach einer ersten Reihe von zwölf gezielten, 2025 beschlossenen Massnahmen einigten sich die Teilnehmenden am Runden Tisch darauf, ab 2027 die sechs oben erwähnten Massnahmen umzusetzen. Mehrere davon greifen Ideen auf, die von der Bevölkerung über den elektronischen Briefkasten eingereicht wurden. Anders als im ersten Massnahmenpapier sind die nun verabschiedeten Massnahmen stärker systemischer Natur. Deshalb wurde auch auf die Bezifferung des konkreten Einsparpotenzials verzichtet. Sollten die Massnahmen jedoch die angestrebte Wirkung entfalten, dürfte das Einsparpotenzial dasjenige des ersten Massnahmenpapiers übersteigen.
Massnahmen mit stärker systemischem Charakter
Im Zentrum sämtlicher verabschiedeter Massnahmen steht die Einigung auf eine engere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren. · So ist beispielsweise bei der Massnahme zur Förderung der Heimtherapien vorgesehen, dass die medizinischen Fachgesellschaften eine Liste von Therapien erstellen, die in erster Linie zu Hause durchgeführt werden können. Gestützt darauf können dann die Versicherer die Patientinnen und Patienten aktiv über diese Möglichkeiten der Heimanwendung informieren. · Ein anderes Beispiel ist die Einigung darauf, dass die Koordination zwischen Ärzteschaft, Apothekerschaft und Pflegepersonal in Alters- und Pflegeheimen gefördert werden soll, um so die Versorgungsqualität zu erhöhen und Polymedikationen zu reduzieren. · Bezüglich der Abrechnung von Medizinprodukten besteht Einigkeit zwischen Leistungserbringern und Versicherern darüber, dass in Zukunft detailliertere Informationen über die effektiv verwendeten Medizinprodukte in die Rechnungen aufgenommen werden, damit die Transparenz über die Preise von Medizinprodukten erhöht und die Durchsetzung wirtschaftlicher Preise verbessert werden kann.
Massnahmen 2025: in Umsetzung
Die Teilnehmenden am Runden Tisch wurden über den Stand der Umsetzung des Massnahmenpakets 2025 informiert. Grundsätzlich kann der grösste Teil der Massnahmen gemäss Plan oder mit leichten Verzögerungen umgesetzt werden. Einzig bei der Massnahme zur Förderung der digitalen Rechnungen haben sich im Rahmen der Umsetzung neue Differenzen ergeben, die nicht einvernehmlich geklärt werden konnten. Die in Aussicht gestellten Einsparungen können deshalb bei dieser Massnahme kurz- bis mittelfristig noch nicht realisiert werden. Abschliessende Aussagen über die effektiven Einsparungen sämtlicher beschlossener Massnahmen sind im aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich, weil bei den meisten Massnahmen die Daten für die realisierten Einsparungen im Jahr 2026 noch nicht vorliegen.
Neue Ausrichtung der Arbeiten des Runden Tisches
Die Mitglieder des Runden Tisches haben sich darauf geeinigt, ihre Zusammenarbeit in diesem Rahmen fortzusetzen, den Schwerpunkt jedoch neu auszurichten und noch stärker auf systemische Massnahmen zu fokussieren. Die Expertengruppe wird ein Arbeitsprogramm festlegen. Dieses ist nicht mehr darauf ausgerichtet, jährlich ein neues Massnahmenpapier zu verabschieden. Zudem soll der Runde Tisch als Konsultationsgremium für allfällige kostendämpfende Projekte des Bundesrates dienen und ein Monitoring der Umsetzung der beschlossenen Massnahmen sicherstellen.
Elektronischer Briefkasten: Ideen sind in die neuen Massnahmen eingeflossen
Über einen elektronischen Briefkasten mit Online-Formular in drei Sprachen konnten alle Interessierten zwischen dem 15. Mai und dem 20. Juni 2025 anonym ihre Vorschläge und Ideen zur Senkung der Kosten in der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) einreichen. Wie der veröffentlichte Bericht von MIS Trend zeigt, wurde das Angebot stark genutzt. Es gingen rund 7400 Beiträge ein. Daraus ergaben sich über 15 000 Vorschläge, von denen etwas mehr als 500 von MIS Trend als potenziell zielführend und neuartig eingestuft wurden.
Elektronischer Briefkasten: Ideen sind in die neuen Massnahmen eingeflossen
Diese Vorschläge wurden der Expertengruppe des Runden Tisches zur Prüfung vorgelegt. Im Rahmen eines kontinuierlichen Austauschs erarbeitete die Gruppe auf der Grundlage der als sinnvoll und konkret umsetzbar erachteten Ideen mehrere Massnahmen, die am 26. Oktober 2026 verabschiedet wurden. Dies betrifft konkret die Themenbereiche Förderung der ambulanten Versorgung, Transparenz im Bereich der Medizinprodukte, koordinierte Arzneimitelversorgung in Alters- und Pflegeheimen sowie Entlastung der Spitalnotfallstationen. Sämtliche Eingaben im elektronischen Briefkasten sollen – in anonymisierter Form – auf der Webseite des BAG publiziert werden. Damit stehen die Anregungen aus dieser Vorschlagssammlung dann allen Interessierten zur Verfügung und sollen auch in Zukunft für weitere Massnahmen zur Kostendämpfung genutzt werden – sei dies im Rahmen des Runden Tisches oder bei der Erarbeitung von Massnahmen durch Bundesrat oder EDI. Die Teilnehmenden am Runden Tisch bedanken sich bei allen Personen, die durch ihre Eingaben im Briefkasten einen wertvollen Beitrag geleistet haben zur Diskussion, wie das Gesundheitssystem nachhaltig finanzierbar bleibt.
Quellen
Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) / Bundesamt für Gesundheit (BAG): 5. Runder Tisch Kostendämpfung im Gesundheitswesen: sechs neue Massnahmen verabschiedet. Verfügbar unter: https://www.admin.ch/de/newnsb/6eQ-CBh2kKcn (abgerufen am 26.10.2026).